• schnurrito@discuss.tchncs.de
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    27
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    12 days ago

    Ich bin ein Befürworter der übertragbaren Einzelstimmgebung (single transferable vote), wie sie u.a. in Irland verwendet wird. Ich finde, man sollte sich in anderen Ländern auch überlegen, diese einzuführen.

    Die hat gegenüber dem Listenverhältniswahlsystem, das in Deutschland und Österreich verwendet wird, mindestens folgende Vorteile:

    • es gibt keine verschwendeten Stimmen, weil die Stimmen allfälliger erfolgloser Kandidaten weitergegeben werden
    • es reduziert die Macht der Parteien: es ist möglich, als unabhängiger Kandidat gewählt zu werden, das sollte den Fraktionszwang schwächen
    • auch ohne eine Prozenthürde ist es (durch ausreichend kleine Wahlkreise) möglich, Parteien aus dem Parlament zu halten, die nur für sehr kleine Minderheiten irgendwie in Frage kommen
    • CyberEgg@discuss.tchncs.de
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      11 days ago

      Kannst du das von dir genanmte Wahlsystem vielleicht etwas genauer ausführen? Ich kenne es nicht, und um die von dir genannten Vorteile bewerten und diskutieren zu können, braucht man schon etwas mehr Hintergrundwissen.

      • schnurrito@discuss.tchncs.de
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        11 days ago

        Es gibt hier https://de.wikipedia.org/wiki/Übertragbare_Einzelstimmgebung einen Wikipedia-Artikel dazu, erstmals gehört habe ich davon in diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=l8XOZJkozfI

        In jedem Wahlkreis wird eine bestimmte fixe Zahl Abgeordneter gewählt; Parteien können und sollen daher mehrere Kandidaten pro Wahlkreis aufstellen. Auf dem Wahlzettel stehen die einzelnen Kandidaten (nicht Parteien) und der Wähler bekommt die Möglichkeit, seine Präferenz durch Zahlen auszudrücken: neben seinem bevorzugten Kandidaten schreibt er 1, seiner zweiten Wahl 2, dritten Wahl 3, usw.; hier ist ein echter Wahlzettel aus Irland: https://i2-prod.irishmirror.ie/article34224362.ece/ALTERNATES/s1200f/1_01JDYCPAWGS318XJ2638XVB3F6.jpg

        Durch Division der Stimmenzahl durch die Anzahl Abgeordneter (es gibt da verschiedene Verfahren für die genaue Bestimmung) wird die Wahlzahl bestimmt, die Kandidaten brauchen, um als gewählt zu gelten. Zuerst werden die ersten Präferenzen ausgezählt und alle Kandidaten, die aufgrund dessen schon die Wahlzahl erreicht haben, sind gewählt. Wenn sie mehr Stimmen haben, als sie dafür brauchen, werden die überschüssigen Stimmen (bzw. korrekterweise: alle Stimmen mit entsprechend geringerem Stimmgewicht) auf die zweiten Präferenzen von ihren Wählern übertragen (deshalb “übertragbare” Einzelstimmgebung).

        Wenn nach einer solchen Zählung kein zusätzlicher Kandidat gewählt ist, wird der mit den geringsten Stimmen eliminiert, dessen Stimmen werden auf die jeweils nächsten Präferenzen von dessen Wählern übertragen. So macht man weiter, bis man nur noch so viele Kandidaten hat, wie noch Sitze zu vergeben sind (die sind dann alle gewählt).

        Dadurch hat man ein Verhältniswahlsystem, ohne dass man Parteilisten (oder überhaupt Parteien) braucht - jeder Wähler stellt sich seine eigene Liste zusammen und es wird ausgezählt, welche Kandidaten insgesamt im Wahlkreis am beliebtesten sind.

        • MaggiWuerze@feddit.org
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          11 days ago

          Geiles System. Allein schon, dass ein starker Sieger nicht alle anderen disqualifiziert find ich eine enorme Verbesserung

  • quatschkopf43@feddit.org
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    12 days ago

    Abgesehen von dem bürokratischen Aufwand, was spricht eigentlich gegen ein Wahlverfahren nach Favoriten/Rangfolge? Reicht ja schon eine Alternative, falls die erste Wahl es nicht schafft. Auf diese Weise könnten sicher deutlich mehr Wählerstimmen berücksichtigt werden.

    • brewbart@feddit.org
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      11 days ago

      Dann würde die Union vermutlich arg an Einfluss verlieren und das wollen die natürlich verhindern. Wo kämen wir denn hin, wenn der Pöbel seine Interessen wirklich vertreten bekäme?

  • JensSpahnpasta@feddit.org
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    11 days ago

    Es gibt halt irgendwann ein hartes Legitimationsproblem. Bei der Bundestagswahl sind 14% der Stimmen völlig ohne parlamentarische Vertretung geblieben. Bei 60,5 Millionen Wahlberechtigten und 83,5 Millionen Einwohnern. Grob 50 Millionen haben gewählt, 7 Millionen Stimmen sind nicht im Parlament vertreten. Wenn dann aber nur so 43 Millionen von 83 Millionen Menschen überhaupt im Parlament vertreten sind, dann gibt es durchaus ein Problem. Gerade, wenn dann Kanzler Merz, der eine Koalition von nur 22 Millionen Wählern vertritt, alles so umfassend verschlechtert.