Seit dem 6. März wird in Russlands Hauptstadt das mobile Internet blockiert. Und aus dem digital hochgerüsteten Moskau wird eine Stadt, in der wieder Bargeld, SMS und Festnetz zählen.
Diese Schlagzeile steht seit mehreren Tagen unverändert in mehreren Gazetten ganz oben und ich finde das irgendwie seltsam, weil nach allem, was da immer so steht, Russland schon 10 Mal im Sack sein sollte, was offenbar (leider) nicht so ist.
In Moskau und St. Petersburg lebt die High Society. Die war bisher nicht betroffen vom Krieg selbst und nur sehr indirekt von den Folgen. Von dort wird z. b. niemand zwangsrekrutiert etc. sondern die wurden alle schön bei Lauen gehalten.
Es ist für die Ukraine ein gutes Ziel es für die Menschen dort unangenehm zu machen, weil das der beste Weg ist Druck auf die russische Führung aufzubauen.
Und es ist auch ein starkes Zeichen, dass die Ukraine dazu in der Lage ist, trotz der umfangreichen Flugabwehr um diese beiden Städte herum.
In einem Abnutzungskrieg geht die Abnutzung so lange weiter, bis eine Seite bricht. Du wirst allerdings nur sehr schwer erkennen, wann welche Seite das Ende ihrer Kraft erreicht hat. Wenn du zum Beispiel auf den ersten Weltkrieg schaust, dann hat Deutschland noch im Sommer 1918 eine große Offensive gestartet, nur dann im Herbst komplett zusammenzubrechen und zu kapitulieren. Ähnliche Geschichten hast du auch im zweiten Weltkrieg gehabt, wo noch im Winter 44/45 mit der Ardennen-Offensive und ähnlichen Attacken doch noch deutsche Gegenstöße stattfanden. Kurz darauf brach dann die Wehrmacht komplett zusammen.
Wenn die Ukraine es jetzt geschafft hat, Russland so lange zuzusetzen, dass diese in der Hauptstadt ihr Handy Netz abschalten müssen, nicht bombardiert zu werden, dann sind das schon deutliche Auflösungserscheinungen.
1916 war die wirtschaftliche Lage in Deutschland so miserabel, dass im Winter eine üble Hungersnot ausbrach. Hat trotzdem noch zwei Jahre gedauert, bis die Zustände so übel waren, dass eine Meuterei zur Revolution eskaliert ist. Ein Land im Kriegszustand kann jede Menge Entbehrungen aushalten.
Soweit ich weiß sind die Russen (noch) nicht am Verhungern. Die Umstände werden für die Zivilbevölkerung schlimmer, ja, aber solange man noch irgendwie überleben kann hat man doch Angst, sich gegen das Regime zu wehren.
Regimes kollabieren selten so schnell wie man sich das manchmal wünscht.
Kenne ich auch. Was auch paradox ist, ist der Fakt, dass es b eim Ukraine Krieg immer so aussieht als wäre Russland kurz vorm Zusammenbruch, aber in der Debatte zur Bundeswehr steht Putin gefühlt schon vor unserer Haustür.
Ist halt beides so halb wahr. Russland geht ziemlich Skrupellos mit seinen Soldaten vor und erreicht so weiter kleine Fortschritte obwohl man die schlecht ausgestatteten Russen in Massen sterben sieht. Die Ukraine hingegen kann die Stellung dank westlicher Technologie und besserer Ausbildung einigermaßen halten, aber an eine Rückeroberung ist nicht zu denken.
Wenn Putin tatsächlich in ein paar Jahren im Baltikum einmarschieren lässt (und wir sollten mittlerweile gelernt haben, die Eroberungspläne von Diktatoren ernst zunehmen), dann muss das Ziel sein, dass man die Russen mit entsprechender Überlegenheit schnell wieder rauswirft oder besser direkt vom Angriff abschreckt. Ein Kräftegleichgewicht mit Abnutzungskrieg wie in der Ukraine kann einfach keine Strategie sein. Und da haben wir noch gar nicht davon angefangen, dass eine Verteidigung nicht nur ohne sondern im Zweifelsfall auch gegen die USA möglich sein muss.und wir sollten mittlerweile gelernt haben, die Eroberungspläne von Diktatoren ernst zunehmen)
Gibt es denn die Pläne?
Wird Russland das Baltikum angreifen, um damit auch das Nato-Bündnis zu testen? Die Militärexpertin Florence Gaub glaubt nicht daran. Sorgen machen ihr Konfliktszenarien in der Arktis.
Als Zukunftsforscherin und Direktorin an der Nato-Militärakademie in Rom hat Dr. Florence Gaub verschiedene Szenarien durchgespielt
Ein geleaktes Strategiepapier des Kreml legt die russischen Pläne für das Baltikum offen. Darin wird deutlich, dass Russland vor allem politischen Einfluss in der Region gewinnen will.
Ich kann dazu Steve Rosenberg von der BBC empfehlen. Einer der wenigen Reporter die auch tatsächlich aus Russland berichten. In seinem YouTube Kanal gibt es auch ein paar unangenehme Fragen an Putin. Hauptsächlich macht er aber eine nahezu tägliche (russische) Presseschau. Da scheint sich langsam auch der Umut zu reden über die neu ausgebrochene Steinzeit https://www.youtube.com/@BBCSteveR
Uh, muss ich mal reinschauen, klingt spannend.
Wen ich auf YT auch sehr empfehlen kann ist Jake Broe, der berichtet über den Ukraine (und mittlerweile auch Iran-) Krieg sehr ausgiebig und teilweise besser als die klassischen Blätter, weil er viele der Punkte im größeren Bild einordnet bzw auch Punkte bringt, die im heutigen Newsflash untergehen. (Und nebenbei, ist auch schön zu sehen, dass es noch einige US-Amerikaner gibt die ihr Herz noch am rechten Fleck haben)






