Es ist Zeit für mehr Ehrlichkeit. Erstens: Alles, was fossile Treibstoffe verbrennt, wird teurer werden. Auch ohne geopolitische Krisen. Zweitens: Biogase und E-Fuels werden nie so günstig werden, dass es finanziell sinnvoll ist, jetzt noch weiter Verbrenner-Autos und Gasheizungen zu kaufen. Ganz gleich, was Lobbyisten sagen. Und drittens: Der Staat ist keine Vollkaskoversicherung - so viel Wahrheit muss die Regierung den Bürgern zumuten.
Warum haben die Medien das nicht früher so benannt? Die Fakten sind schon lange klar.



Der ist ja nicht knapp der ist halt teuer.
Der kann noch erheblich, erheblich teurer werden. Preise werden bei Veränderung des Angebots durch die sogenannte Preiselastizität bestimmt - wie viel verändert sich die Nachfrage , wenn sich der Preis um x Prozent verändert?
Die Preiselastizität ist beim Rohöl sehr gering, weil Öl kurzfristig(!) nur schwer zu ersetzen ist, und bei allen möglichen ökonomischen Prozessen gebraucht wird. Wie ein Katalysator. Es nützt nichts, wenn ich ein millionenteures Windrad gebaut habe, wenn ich es mangels Sprit nicht zum Käufer bringen kann. Also zahle ich den Sprit, egal was er kostet.
Das ist mathematisch so, als wenn ich versuche, Wasser in einen schweren inelastischen Stahltank zu pumpen, der schon voll ist. Bei Gas geht das, Gas ist kompressibel. Bei Wasser nicht, Wasser ist inkompressibel. Der Tank wird explodieren.
Die Auswirkung von Angebotsverknappungen beim Rohöl konnte man 1974 und 2008 eindrucksvoll beobachten.
Er ist teuer weil er knapp ist bzw. droht knapp zu werden (oder weil wir das glauben). Und dann bekommt halt der zuerst, der am meisten zahlt.
Und wenn den alle brauchen, um wirtschaftlich zu überleben?
Wer als erstes nicht mehr zahlen kann, wird nicht beliefert und fällt hinten runter. Das wird halt nicht zuerst in Europa der Fall sein, eher gehen irgendwo in Asien im Sommer die Klimaanlagen nicht mehr.
Das passiert schon. In Indien wird LPG zum Kochen knapp, Restaurants werden teilweise nicht mehr beliefert, Bangladesch rationiert Benzin, Pakistan schließt Universitäten, um Energie zu sparen.
Erstens, das ist ja im Grunde so, wie während einer Hungersnot Brot zu versteigern. “Der Markt soll’s regeln”. Das ist nicht sozial, sondern das Gegenteil davon - letztendlich kapitalistisch gefärbter Sozialdarwinismus.
Ich kann mir schon vorstellen, dass das Leuten wie Trump und Bannon nichts ausmacht, aber wollen wir in so einer Welt leben?
Zweitens finde ich diese Denkweise nicht schlau. Die EU hat rund 300 Millionen Eineohner. China 1.4 Milliarden. Asien 4.7 Milliarden . Viele Menschen in Asien sind nach wie vor arm, abet die Länder haben wirtschaftlich enorm aufgeholt und haben eine durchaus wohlhabende Mittelschicht, die hunderte Millionen Menschen zählt. Dies sind in einer Situation materiell vergleichbar mit der Mehrheit der Europäer und werden in Krisensituationen mit uns in Konkurrenz treten um Dinge wie Lebensmittel und Treibstoff . Und weil es so viele Leute sind, ist das auch für EU Bürger relevant. Das ist merkbar : Preise für Lebensmittel steigen. Und für Öl gibt es einen Weltmarktpreis.
Platt gesagt, die Welt ist nicht mehr so beschaffen, dass halt nur die armen Leute woanders hungern.
Dazu kommt: Durch die rasche Modernisierung ist die Infrastruktur in Asien oft effizienter. Wo in den USA Leute mit dicken SUVs Dutzende von Meilen zur Arbeit fahren, fährt in Korea oder Japan eine elektrische U-Bahn. Diese hat ein Zehntel der Energiekosten. Nun, wer wird es sich wohl als erster nicht mehr leisten können, zur Arbeit zu fahren ?