Der französische Präsident Emmanuel Macron schwört die EU auf Alterskontrollen ein. Dafür liegt er unter anderem Kommissionspräsidentin von der Leyen und Bundeskanzler Merz in den Ohren. Mit steigendem Tempo steuert die EU auf eine Ausweispflicht im Netz zu.
Und der Staat muss mit einem mönströsen Überwachungsapparat regeln, wenn Leute nicht fähig sind das Tablet auf dem Couchtisch mit Bildschirmsperre zu versehen?
Das Thema ist komplexer als das. Aber dieses Argument ist wirklich schwach.
Natürlich nicht. Ich bin vielleicht einer der radikalsten Gegner dieser Idee, die es auf der Welt gibt. Nur, zu behaupten, es gebe im Internet ohnehin immer schon Alterskontrollen, weil Internetzugänge und Geräte ja von Erwachsenen finanziert werden, geht halt auch an der Realität vorbei. Unsere Seite hat zu sehr Recht, als dass wir uns solch schwacher Argumente bedienen müssten! ;)
Ich hab im Alter von 10 Jahren meinen ersten eigenen PC bekommen und ab da großteils ohne Überwachung das Internet verwendet. Das hat mir nicht nur nicht geschadet, sondern ganz im Gegenteil sehr genützt, ich habe im Internet sehr viel über die Welt gelernt, was mir für mein späteres Leben geholfen hat, sogar mehr als in der Schule!
Verstehe. Ja, da ist was dran. Die Alterskontrolle ist nicht unmittelbar eingebaut, sondern muss durch Zutun der Eltern erfolgen.
Ich sehe allerdings auch ein, dass die es schwer haben. Man muss sich einerseits dafür interessieren, braucht das notwendige technische Verständnis um den Zugang zu regulieren und muss darüber hinaus den Konflikt mit den Kindern austragen und evtl schlimmer noch mit anderen Eltern und sogar Institutionen wie Schulen, Vereinen, etc.
Insofern kann ich durchaus verstehen, dass man das als gesellschaftliches Problem betrachtet, das eine gesellschaftliche d.h. politische Lösung erfordert. Datenschutzbewussten Menschen muss man vermutlich nicht erst erläutern, wie kräftezehrend es sein kann im Alltag auf datenschutzfreundliche Lösungen zu beharren. Mit kinderschützenden Lösungen wird es sich analog verhalten.
Zu deinem Punkt mit “hat uns auch nicht geschadet”: ich bin auch so einer der im frühen Teenageralter ungefiltert auf das Internet losgelassen wurde. Und auch ich hab das als größtenteils wunderbares Abenteuer in Erinnerung. Zahllose Möglichkeiten, die ich in meiner Kleinstadt sonst nicht gehabt hätte. Aber ob es mir geschadet hat, kann ich für mich so einfach nicht verneinen. Ich bin als Erwachsener in Therapie und kann nicht sagen, wie meine Entwicklung ohne Internetzugang als Jugendlicher verlaufen wäre. Es hat jedenfalls einige prägende Lebensereignisse zu verantworten, von denen nicht alle positiv waren.
Aber selbst wenn es nicht geschadet hätte, kann man das Internet von vor 20 Jahren nicht mit dem von heute gleichsetzen. Es gab schon immer Abgründe im Netz zu entdecken, aber seit dem Aufstieg von Social Media werden einem die halt durch suchterzeugende Content-Algorithmen direkt in den Feed gespült. Da finde ich es schon schwer sich als Erwachsener nicht davon beeinflussen zu lassen. Und ich wage nicht zu behaupten, dass mein jugendliches Selbst dagegen gefeit gewesen wäre.
Also ich sehe da durchaus eine Problematik gegeben.
Gleichzeitig finde ich es aber fatal, sich dabei auf eine Lösung zu stützen, die darauf bauen muss, dass staatliche Akteure bei ihrer Verwendung nur beste Absichten verfolgen.
Ich würde mich jederzeit lieber mit meinen Kindern auseinandersetzen um ihnen zu erklären, warum sie nicht endlos Shorts scrollen dürfen und wieso sie sich vor der Manosphere in acht nehmen müssen, als ihnen zu erklären wie sie in einem dystopischen Überwachungsstaat zurecht kommen sollen.
Ja, das Internet vor 20 Jahren war sicherlich in vielerlei Hinsicht schöner, auf jeden Fall inmitten einer schöneren Entwicklung, als das heutige.
Also warum versuchen wir als Gesellschaft nicht, diesen Zustand wiederherzustellen?
Sämtliche zusätzliche staatliche Regulierung hat genau eine Auswirkung, nämlich das schwieriger zu machen. Kleine Forenbetreiber mit keinem oder minimalem Umsatz haben es offensichtlich schwieriger als große reiche Unternehmen, die ein wesentlicher Teil der Werbeindustrie sind, sich an Regulierungen zu halten.
Das kommt, denke ich, schon sehr auf die Art der Regulierung an. Wenn wir beispielsweise suchterzeugende Content-Algorithmen einfach verbieten würde, hätten Hobbyforen vermutlich gar kein Problem sich daran zu halten. ;)
Ich halte staatliche Regulierung nicht generell für problematisch. Es kommt halt darauf an, wie sie gemacht ist. Das Internet ist so sehr Teil des alltäglichen Lebens geworden, dass es nur schlüssig ist, wenn dort ebenso Regeln gelten wie im restlichen Leben. Aber das Internet ist nicht die Straße, nicht der Marktplatz und auch keine Kneipe, sondern funktioniert eben doch ganz anders als die physische Welt (der Meatspace). Die DSGVO ist da finde ich ein gutes Beispiel, das dem Rechnung trägt.
Jugendliche und Kinder vor uneingeschränktem Zugang zu Pornografie zu schützen halte ich beispielsweise für ein nachvollziehbares Ziel. Als Jugendlicher hätte ich das sicher anders gesehen, aber auch da sind die Möglichkeiten mittlerweile andere und meiner Meinung nach gefährlicher. Ich musste damals Bildergalerien durchklicken und gespannt auf den Bildaufbau von progressive jpgs warten (oder auf die nächste LAN-Party warten). Heute kannst du in Echtzeit VR-Inhalte streamen und dir willige KI-Avatare erstellen lassen. Alles in Ordnung, für Erwachsene, die das wollen. Aber für Jugendliche die erstmal eine Sexualität entwickeln müssen?
Ich weiß nicht, ob man vielleicht eher Eltern zeigen sollte, wie man auf den Geräten der Kinder z.B. gefilterte DNS-Server einrichtet oder ob es nicht vielleicht doch eine sinnvolle Möglichkeit gibt eine Altersverifikation zu implementieren, die keine weiteren Daten über den Nutzer an irgendjemanden preisgibt. Der Zero-Knowledge-Ansatz, den die EU verfolgt klingt ja auf den ersten Blick auch nicht dumm. Die Umsetzung scheint halt noch unausgegoren, und ich weiß noch nicht wie man z.B. eine Schnittstelle zum Ausweis herstellen kann, bei der der Nutzer jederzeit die volle Kontrolle hat, welche Daten abgerufen werden, und wohin sie fließen und die gleichzeitig nicht zukünftig hinterrücks und ohne viel Aufwand oder Aufsehen als Überwachungsinstrument ausgebaut werden könnte.
Du hast selbst als Jugendlicher auf Pornografie zugegriffen und siehst trotzdem nicht ein, dass das harmlos ist? Na gut.