Pete Hegseth soll versucht haben, sein Insiderwissen über den bevorstehenden Irankrieg zu Geld zu machen. Wie die »FT« berichtet, wollte der US-Kriegsminister rechtzeitig größere Summen in Rüstungsfirmen investieren.
Pete Hegseth soll versucht haben, sein Insiderwissen über den bevorstehenden Irankrieg zu Geld zu machen. Wie die »FT« berichtet, wollte der US-Kriegsminister rechtzeitig größere Summen in Rüstungsfirmen investieren.
Insiderhandel und das Verbot davon ist die größte Augenwischerei der Welt. Es liegt in der Natur der Sache dass es sich extrem gut verschleiern und extrem schlecht nachweisen lässt. Damit ist der Missbrauch vorprogrammiert. Ich habe aber auch keine Lösung. Vielleicht müssen Amtsträger und alle ihre persönlichen und geschäftlichen Kontakte von der Börse ausgeschlossen werden oder zu einer mehrjährigen Mindesthaltedauer verpflichtet werden? Oder vielleicht Mindeshaltedauer für alle?
Vielleicht sollte es auch einfach keine Börse geben 😇
Alles was das tut ist es noch profitabler für die Wenigen zu machen, die an den Schalthebeln sind und damit ein Inzentiv zu toxischer, menschenfeindlicher Politik zu schaffen.
Nancy Pelosi hat sich während ihrer Amtszeit ja auch ständig die Taschen voll gemacht ohne auch nur einmal dafür belangt worden zu sein.
Meinetwegen kann der Aktienmarkt komplett als das Parasitentum zerschlagen werden das er ist. Es gibt keinen Grund und Nutzen für Aktienhandel und jeden Nutzen den es mal gab ist längst ad Absurdum geführt worden. Es ist zur reinen Selbstbefruchtung verfallen, wo das Geld nur noch dort hin und her zirkuliert und nichts mehr von Echtwelt-Wert damit erreicht wird (z.B. Produktionen ausbauen oder Forschung). Und am anderen Ende optimieren CEOs auf Stock-Value und navigieren ihre Unternehmen in eine Abwärtspirale aus Outsourcing und Entlassungen für den nächsten dicken Bonus.
Und bevor einer denkt man könnte das mit Regulierung lösen: Es gibt schlicht keinen Weg eine “bessere Börse” zu bauen. Das Ganze ist eine der inhärenten Widersprüche des Kapitalismus und wird immer genau diesen Weg nehmen, egal was man für Hello-Kitty-Pflaster auf die klaffende Wunde klebt. Die einzige gute Börse ist keine Börse.
Evtl. realisieren wir das gesamtgesellschaftlich mal nach dem kommenden Kollaps, aber wahrscheinlich fangen wir auch einfach wieder naiv von vorne an.
Aber wie bestimmst du da die relevanten Leute? Insider-Wissen haben nicht nur Politiker, sondern auch viele Leute in der Privatwirtschaft. Und die wiederum können ihr Wissen in Form von Tipps weitergeben an so ziemlich jeden: Nahe und entfernte Verwandte, Nachbarn, Freunde. Wenn jemand als externer Dienstleister für einen Zulieferer von RWE arbeitet und dort was von einem Großauftrag an Vestas (Windanlagenhersteller) aufschnappt, willst du dann diesem Dienstleister und allen, die ihn näher kennen, den Zugang zu Aktien verbieten? Denke, das ist einfach ein weiteres Grundproblem des Kapitalismus, das sich nicht ohne Weiteres lösen lässt.
Ich war letztes Jahr in ein M&A Projekt von einem öffentlich gelisteten europäischen Technologieunternehmen beteiligt. Ich hab von meinem Vorgesetzten ne anständige Compliance Ansage bekommen bevor ich irgendwas erfahren durfte. Es gibt dafür doch schon Prozesse, wenn ich die Ansage bekomme kann doch der Vorgesetzte gleichzeitig auch die Liste aller Eingeweihten bei der Börsenaufsicht hinterlegen.
Und zumindest direkte Angehörige können auch direkt mit gelistet werden. Ich habe meiner Tochter Aktien geschenkt und danach sofort einen Brief bekommen dass das ans Finanzamt gemeldet wurde und von den Freibeträgen für Schenkungen abgezogen wurde. Für den Zweck haben die Ämter und Banken doch auch Zugriff auf Verwandtschaftsverhältnisse. Warum dann nicht auch für Insiderhandel?
Und nach der Meldung vom Vorgesetzten kann der Rest komplett automatisch und ohne menschliches Zutun geregelt sein (wie bei Schenkungen auch).
Das ist nicht wasserdicht und es bleiben Lücken, aber es wird zumindest mal etwas schwieriger.
In dem Beispiel mit deiner Tochter gibt es zwei direkte Links zwischen euch: Die dokumentierte Verwandtschaft und die Aktientransaktion zwischen euren Depots. Hättest du stattdessen deiner Tochter einen Insidertipp gegeben und sie daraufhin ihren (unverheirateten) Freund gebeten, Aktien zu kaufen, gibt es nirgends so eine dokumentierte Verbindung. Und selbst wenn man die Verbindung herstellen könnte, beweist so eine Transaktion ja keinen Insiderhandel.
Ich fürchte, mit dem was du beschreibst, schafft man viel zusätzliche Bürokratie und bekämpft damit allenfalls dilletantische kleine Fische. Da wo wirklich Geld im Spiel ist, hat man auch die Berater und Briefkastenfirmen zur Hand, um das ohne großen Aufwand zu verschleiern.
Du hast mich missverstanden. Es gibt bei Schenkungen eine automatische Abfrage der Verwandtschaftsverhältnisse. Wenn der Chef ne Eintragung macht dass eine Aktie für X Monate nicht gehandelt werden darf dann kann die selbe Abfrage laufen und alle Verwandten mit auf Liste aufgenommen werden. Eine Transaktion zwischen den Verwandten ist dafür nicht nötig. Bei Schenkungen ist die Transaktion zwar der Anlass, aber es ist technisch keine notwendige Bedingung um die Verwandtschaft herstellen oder abfragen zu können.
Ja die Lücke bleibt, aber zumindest ist es besser als was wir jetzt haben. Sollten wir nicht wenigstens die minimalen low-hanging-fruits und offensichtlichen Maßnahmen ergreifen? Es ist nicht perfekt, deswegen machen wir lieber gar nichts?
Trump & Kushner würde nicht mehr funktionieren.
Der Chef muss eh jeden involvierten Mitarbeiter ansprechen, die Compliance Powerpoint durchgehen und alle müssen gegenzeichnen dass sie teilgenommen haben. Wenn man das als digitalen Prozess organisiert dann ist die zusätzliche Ausleitung der Anwesenheitsliste zur Bank/Börsenaufsicht/wohin auch immer überhaupt gar kein zusätzlicher Aufwand. Das könnte eine digitale Schnittstelle ohne menschliches Zutun sein.
Angenommen deine Cousine, die du seit zehn Jahren nicht gesprochen hast, ist Abgeordnete in einem Parlament. Oder dein Nachbar, den du kaum kennst, ist in einen wichtigen Entscheidungsprozess involviert.
Sollten dann du und deine gesamte Verwandtschaft und deine gesamte Nachbarschaft keine Finanzgeschäfte mehr machen dürfen? Wie werden diese Personen dann entschädigt für diesen Nachteil?
Das hört ja auch nicht bei Aktien auf. Du kannst alles mögliche Insiderwissen für deine Zwecke nutzen.
Gerade bei denen glaube ich, dass sie a) problemlos ein Konzept finden würden, um das zu verschleiern, wenn sie wollten und b) es ihnen auch völlig egal wäre, wenn das, was sie tun, illegal ist.
Es ginge ja nur um die jeweils betroffenen Unternehmen/Aktien und auch nur, dass man seine Position eine gewisse Zeit nicht ändern kann.
Ist blöd aber scheint mir trotzdem noch besser als das wir jetzt haben.
Insiderhandel ist ja schon verboten und da sind auch keine Entschädigungen vorgesehen. Also um das mal klar zu sagen, mir wurde gesagt jeglicher Handel mit den betroffenen Papieren ist für den Zeitraum des M&A Projekts für mich verboten. Da gab’s keine Entschädigung.
Selbst das ist ja nicht immer eindeutig. Wenn du vorab von einer Gesetzesänderung, einem Krieg oder Strategieentscheidung erfährst, kann das Auswirkungen auf ganze Märkte haben, nicht nur einzelne Aktien. Auch Rohstoffe (z.B. Öl, Gold) kann man für Insiderhandel nutzen.
Ich finde es eine Sache, wenn DIR einvernehmlich vertrauliche Daten mitgeteilt werden und DU deshalb Einschränkungen bekommst. Wenn es aber ein verschollener Verwandter oder unbekannter Nachbar ist, der sich einschränkt, kann man das m.E. nicht wirklich begründen. Müssen dann ganze Wohnblocks ihren Welt-ETF für die Rente verkaufen, weil im Umkreis ein Abgeordneter wohnt, mit dem sie vielleicht befreundet sind und der ihnen vielleicht einen Tipp gegeben hat.
Meines Erachtens kann man gegen systematischen Insiderhandel im großen Stil nur sehr schwer ankommen. Ihn im Nachhinein zweifelsfrei nachzuweisen ist noch schwieriger.
Vielleicht bin ich auch einfach zu pessimistisch. Ist ja löblich, wenn man Ambitionen hat, in diesem Sumpf noch etwas zu verbessern.
Zwischen dem aktuellen System und dem was du schreibst gibt es aber noch ganz viele andere Gestaltungsmöglichkeiten. Es muss ja keiner verkaufen sondern z.B. nur auf aktiven Handel verzichten. Und wie weit man den Kreis zieht muss man abwägen, an Wohnblocks hätte ich jetzt nicht gedacht.
Auch dafür gibt es doch Compliance Prozesse. Je nach Einzelfall ist doch heute schon definiert, was als Insiderhandel gilt. Im Zweifel dann halt ganze Märkte, wenn die Art der Information das gebietet.
Kommt auf die Art der Insiderinformationen an. Trumps Iran Insiderhandel dürfte bspw so ziemlich alles betreffen und dann wäre auch ein komplettes Verbot von jeglichem Börsenhandel für einen Zeitraum gerechtfertigt.
Das ist ja auch eigentlich keine neue Idee, es gibt schon heute Fälle wo man die Vermögensverwaltung an einen Treuhänder übergeben muss und nur noch sehr eingeschränkt selbst aktiv mitentscheiden darf. Die Regeln werden halt bloß nicht durchgesetzt. Und ich meine da könnte man mit automatischen Prozessen und Mechanismen einiges erreichen.
Radikaler Vorschlag: Repräsentantion führt zu Korruption, also sollten wir repräsentative Systeme durch direktdemokratische ersetzen. Auf die Weise sind nicht einzelne schlauer als der Rest.
Dann hat das Insiderwissen die Person, die als erste Zugang zu Prognosen und Umfragen hat. Sobald es sowas wie Aktien gibt und man durch rechtzeitiges Umschichten von Investitionen Geld verdienen kann, wird es auch Insiderhandel geben.
/edit: Außerdem gibt es mMn einen großen Unterschied zwischen Prognosen (die oft genug daneben liegen) und sicherem Wissen. Letzteres ist das Problem beim Insiderhandel. Bei einer Echtzeitabstimmung mit für alle einsehbarem Ergebnis hat der einzelne letzteres nicht vor anderen.