Spoilerwarnung
Ich werde hier nach und nach meine Reviews für die Kurzgeschichten aus Halfway to better als Kommentare hinterlassen. Hinweis: Ich hab diesmal das Buch ausnahmsweise als Hörbuch gehört. Das hat die Auswirkung, dass ich die Namen der Charaktere nie gelesen habe und sie nicht nachschlagen kann. Ich habe daher relativ häufig umschrieben oder geschätzt wie der Name geschrieben sein könnte.
Freue mich wie über über euren Senf zu meinem Senf.


Tower Girls
Super spannend und ich finde nochmal eine Schippe mehr Solar Punk als slimy things did crawl.
Zita ist ein Solarpunk “Postergirl”. Sie lebt in einer Kommune, die in einem ehemaligen Einkaufszentrum errichtet wurde. Die dort lebende Gemeinschaft verbringt Zeit zusammen und baut z.B. in einem eigenen Gewächshaus Nahrungsmittel an. Sie selbst ist Mitglied in einer Reparaturgilde und kümmert sich darum beschädigte Elektronik wieder zum Laufen zu bringen (und sie ist queer). Ich mag Zita.
Ich mag auch ihr Umfeld. Ihr Mitbewohner verhält sich nicht wie ein Arsch, obwohl er mit einer Frau zusammen wohnt (ich weiß, niedrige Messlatte, aber sein wir ehrlich…) und es ist auch kein Thema, dass sie ihre Partnerinnen offenbar schnell durchwechselt, zumindest nicht im negativen Sinne. Sie blödelt nur, dass er nicht auf dem Laufenden ist und er blödelt, weil sie sich plötzlich in eine einzige Frau verknallt hat und nur von ihr etwas möchte.
Zita wird zu einem Reparaturjob in den 13. Stock eines Hochhauses gerufen. Die Atmosphäre in den Labors ist im starken Kontrast zur Solarpunk Ästhetik. Alles ist neu und aus Edelstahl. Zita verknallt sich wie oben schon kurz angedeutet Hals über Kopf in Aries. Die beiden flirten heftig und diese bittet sie ihr Equipment bei der nächsten Reparatur mitzubringen, was Zita auch tut (die defekten Geräte sind mit aller Wahrscheinlichkeit bewusst sabotiert worden).
Nach und nach stellt sich heraus, dass die Frauen im 13. Stock Klone einer Wissenschaftlerin sind, die laut dem für das Klonen zuständigen Laborbesitzer kurz vor einem Durchbruch bezüglich ewigem Leben war.
Der Laborbesitzer ist sehr eindeutig der Antagonist in der Geschichte und eine kaum verschleierte Analogie auf “unsere” kapitalistische Milliardärsklasse. Er ist an ewigem Leben für sich selbst interessiert und es ist für ihn völlig fein, wenn dafür andere Menschen versklavt werden und unter unwürdigen Bedingungen leben und sterben. Meiner Meinung nach ein bisschen sehr plakativ aber gleichzeitig existieren die Menschen leider im hier und jetzt und bewirken auf nicht ganz zu plakativen Wegen im Endeffekt das Selbe.
Hier lässt sich auch schön ein Argument gegen Kriminalisierung aufziehen. Wenn der Akt des Klonens und Klone verboten sind, sind die Klone ihren Unterdrückern noch stärker ausgeliefert als wenn nur der Akt des Klonens selbst verboten ist (und mit Personen die Klonen von Repression bedroht sind).
Die beiden fliehen und entkommen in Freiheit. Die Behörden verhaften den big bad evil guy, nachdem bekannt wird, was er getan hat. Ich fand sehr wichtig, dass herausgestellt wird, dass er Unterstützung gehabt haben muss und offensichtlich hier einige Leute die Klappe gehalten haben, obwohl sie das genaue Gegenteil hätten tun sollen. Und auch dass angesprochen wird, dass Anklage nicht immer Verurteilung bedeutet. In der Gegenwart kommen überreiche Personen gerne Mal mit einer Einstellung des Verfahrens oder einer Vergleichszahlung davon.
Man bekommt einige Zeit später einen Einblick in das Leben der beiden. Aries ist offenbar in die Kommune aufgenommen worden und lebt sich dort ein. Die beiden führen weiterhin eine Beziehung.
Bevor ich das vergesse: Das Ende ist ja Mal zuckerst! Ich hatte am Ende als sie sich geküsst haben und sich das nach Zuhause anfühlt einen richtig schönen Awwwwwwwwwwwww-Moment.
Mein Fazit zu der Geschichte Meiner Ansicht nach wird hier ein klarer Kontrast zwischen einer Solarpunk Utopie auf der einen Seite und einer hierarchischen Dystopie auf der anderen Seite gezeichnet. Die Kommune ist der Inbegriff von Solarpunk. Sie leben zusammen, sie gestalten ihre Umwelt nach ihren Bedürfnissen, die versorgen sich selbst, sind aber auch für andere da und sie reparieren Dinge. Im Turm ist alles nach den Vorstellungen einer Person ausgerichtet. Die Einrichtung der wenn wir ehrlich sind Gefängniszellen wurde vorherbestimmt, die Personen leben wortwörtlich nur durch und für ihn, tun genau was er will und die Einrichtung ist durch Konsum und nicht Reparatur geprägt
Ist das sehr plakativ? Ja! Weiß ich in welcher der beiden Gemeinschaften ich leben wollen würde? Auch ja!
Was die Geschichte meiner Meinung nach auch verdeutlicht ist, dass nicht jede Person Interesse an einer an den Bedürfnissen von allen ausgerichteten Gesellschaft hat, insbesondere wenn es den eigenen egoistischen Interessen schadet. Und auch das sehen wir speziell bei Überreichen, Faschos und überreichen Faschos auch heute sehr gut. Ein besseres Leben für alle wird sich nicht ohne Anstrengungen erreichen lassen.