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Cake day: June 24th, 2024

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  • Ist zu vermuten,wobei es da unterschiedliche Aussagen gibt, wann er das erhalten hat (was ist sowieso nicht bekannt).

    (Der Anwalt ist da leider bekannt, naja, schwierig. Leider.)

    Kann sein,dass er schon was in der Wohnung erhalten hat. Kann sein,dass erst draußen. Dann stellt sich die Frage was. Leider ist die Praxis in DE meist Midazolam zu geben, ein starkes Benzo. Das hat zwar den Vorteil,dass man “es kennt” und es auch intranasal (quasi als “Spray” in die Nase) gegeben werden kann, aber den Nachteil,dass es wie alle Benzos sehr schnell auf den Atemantrieb geht (und da haben wir dann wieder das Problem mit der O2 Versorgung), insbesondere wenn der Patient vorher Alkohol konsumiert hat. (Bin ganz ehrlich,hab in anderem Kontext auch schon Patienten mit einer Minidosis Midazolam in den Atemstillstand geschossen, passiert. Muss man halt überwachen).

    Das dahingehend sicherere (aber in anderen Bereichen nebenwirkungsreichere) Ketamin hat sich hier leider nicht durchgesetzt. (Was Schade ist, da es gerade bei Manie-assozierten Psychosen und v.a. bei Amphetamin/Crack/Koks bedingten Psychosen die bessere Wahl ist)

    Fakt ist: Wenn eine MedGabe erfolgt ist,muss der überwacht und entsprechend gelagert werden. Und in 20min hast du den Notfalls auch mit genug Tragehilfe immer auf der Fahrtrage - wo du immer sinnvoll in Rückenlage fixieren kannst.




  • Um da mal ein bisschen fachliche Meinung dazu zu geben: Das Problem liegt, wenn man der Presseberichterstattung folgen kann nicht in dem eigentlichen Zugriff.

    Derzeit stellt sich das ja so dar:

    • Patient hat offenbar psychische Probleme in einem Ausmaß,dass die Freunde sich Sorgen machen. Diese rufen den Rettungsdienst(/oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst, wird leider in der Presse oft gleichgesetzt)

    • Dieser erscheint (ohne Polizei) und gelangt zur Einschätzung,dass der Patient massiv fremd- (oder eigen-, hier gibt es unterschiedliche Berichte) gefährdend ist, eine beschützende in Obhutnahme angezeigt ist(vulgo Zwangseinweisung) und scheinbar wird dieser entweder so gefährlich eingeschätzt,dass man ihn nicht alleine transportieren möchte oder er möchte nicht mit. In diesem Moment muss in quasi allen Bundesländern die Polizei hinzugezogen werden, sie hat in den meisten Bundesländern auch das letzte Wort was dieses Thema angeht.(Was gut so ist, zwei unterschiedliche Institutionen). Der RD verlässt die Wohnung was auf eine Gefährdungslage für den RD schließen lässt - normalerweise bleibt man beim Patienten um eine Eskalation zu vermeiden, aber Eigenschutz geht vor - auch wenn es nachher alles verkompliziert.

    • Die Polizei erscheint.

    • Die Aussage des Anwalts, dass der Patient nicht wusste,dass er in eine Klinik soll, ist imho nicht vollkommen richtig. Richtiger wäre: Er wusste es in diesem Moment nicht mehr. Es ist durchaus häufig in psy. Ausnahmezuständen, dass Patienten nicht mehr situationsorientiert sind. Das ist sogar eine der wichtigen Kriterien, um eine Unterbringung gegen den Willen des Patienten umzusetzen. Es gibt ganz ganz wenige Szenarien wo ich mir beim klaren Patienten vorstellen kann,dass man ihm nicht sagt,dass er in eine Klinik muss. (In 25 Jahren nur zwei Mal erlevt. Der eine hat konkret einen Terroranschlag angekündigt. Da kam dann aber auch das SEK durch das Fenster)

    • Die Polizei führt einen Zugriff durch, verzichtet soweit bekannt aber auf Taser und Pfefferspray. Der Patient wehrt sich, wird aber fixiert. Das ist erstmal so wie es im Artikel steht ziemlich nach Lehrbuch. (Du baust nur mit einem Beamten ein Gegenüber auf, man will den Patienten aus der Wohnung holen damit dort der Zugriff mit weniger “waffenähnlichen Gegenständen” erfolgt, man verzichtet wenn möglich auf Taser und Pfefferspray um das O2 Defizit nicht zu erhöhen, s.u.)

    Und hier kommt jetzt der Fehler:

    • Der Patient liegt laut Bodycam 20 Minuten in Bauchlage in Handfesseln und mit weiteren Fixierungen. Was hier passiert ist,nennt sich positionsbedingte/positionelle Asphyxie. Vereinfacht ausgedrückt:Durch die psychiatrische Ausnahmesituation hat der Körper bereits eine starke Ausschüttung von Stresshormonen, er ist voll im “Kampfmodus” und das oft bereits seit Stunden. Durch den nun erfolgten realen Kampf wird noch mehr Sauerstoff verbraucht. Und in der folgenden Bauchlage und Fixierung kann der Körper nun durch die schlechtere Bauchatmung,etc. diesen riesigen Sauerstoffbedarf nicht mehr bedienen,der Patient erleidet einen Herzstillstand durch Hypoxie.

    • Genau da ist aber der nächste Fehler: Der Patient muss,dass ist bei einer Fixierung “auf der Straße” nun mal immer so da, da es keine adäquaten, Patienten und Durchführende gleichermaßen schützende Technik gibt,erstmal auf den Bauch. Sobald er aber gesichert ist, muss das geändert werden. Idealweise in Rücken, notfalls in Seitenlage. Zusätzlich muss der Patient hochdosiert Sauerstoff erhalten um das Defizit auszugleichen und auch um einen “Puffer” zu schaffen für den nächsten Schritt. (Ersetzt übrigens auch die Spuckhaube) Parallel muss der Patient an den Monitor, also überwacht werden.

    • In Folge - und das wird in Deutschland leider bis heute viel zu oft vernachlässigt und man sieht “tobende” Patienten in den psychiatrischen Kliniken ankommen- muss die mechanische Fixierung in eine sog. pharmakologische/chemische Fixierung umgewandelt werden. Heißt: Der Patient wird sediert, erhält also ein Beruhigungsmittel. Wie stark dieses sein muss entscheidet die Situation. Vom leichten Beruhigungsmittel (Tavor) bis hin zu hochdosiertem Ketamin ist da viel möglich. Das ist zwar auch ein massiver Eingriff, aber es dient dem Schutz des Patienten damit dieser sich nicht beim “Kampf” gegen die Fixierung verletzt.

    Wenn der Patient wirklich 20 Minuten in Bauchlage einfach liegen gelassen wurde in der Annahme,dass sich dieser schon wieder beruhigt (oder das die Polizei das “regelt”) dann muss man ganz klar sagen: Das Problem war hier auf medizinischer Seite - und zwar sogar mehr als auf der polizeilichen Seite. Die Polizei kommt dazu, weil sie diejenigen sind, die den unmittelbaren Zwang durchführen. Die psychiatrisch medizinische Seite ist aber klar auf Seite des Rettungsdienstes - es handelt sich in diesem Moment schließlich um einen sehr sehr kranken Menschen.

    Source: Notfallsanitäter, Führungskraft im Rettungsdienst a.D, selber lange auf der Akutpsychiatrie gearbeitet, selber schon über viele beachützende Unterbringungen entschieden.




  • 4200 Tote nach dem RKI. In kaum mehr als 2 Wochen. Alleine in Köln 120 Tote.

    Aber denkste es geht ein Aufschrei durch Deutschland?

    Nope.

    Wir haben Kliniken die damit bis heute nicht umgehen können, denen essentiellstes Material(Eis!) fehlt,etc. Geschweige denn das Wissen über Hitzefolgen.

    Kliniken, Kommunen, Pflegeheime, Unternehmen sollten eigentlich Hitzeschutzpläne haben. Sollte man meinen.

    Meine Firma berät zu dem Thema. Wir haben damit gerechnet, dass bei uns das Telefon nimmer still steht. Ja weit gefehlt.

    Es ist wie Covid. Es sind ja (meist) nur die alten und kranken Menschen die halt früher sterben.

    Ich bin (als Rettungsdienstler) während der Hitzewelle sprichwörtlich im Schockraum einee großen deutschen Klinikums gestanden und hab “ungewollt und spontan” zwei Oberärzten die Leitlinien (die nur international sind,es gibt keine deutschen Leitlinien) erklären müssen - weil ich nach dem Abliefern eines gänzlich anderen Patienten von einer Pflegekraft “verpetzt” wurde (“der war gerade zu dem Thema in der Presse und hat doch früher in der Wüste gearbeitet”).





  • Aus der Unfallforschung und von den Bergrettungsorganisationen wird eher ein anderer Faktor als Zeitstress, der aber eng damit zusammen hängt, benannt: “Getthereitis” - analog zur Luftfahrt, die dieses Problem ja sehr gut kennt. Der Drang “zum Ziel zu kommen”. Und dabei die Möglichkeit zum Abbruch übersieht oder viel zu spät in Erwägung zieht. Das kann aufgrund von Zeitstress entstehen,aber nicht nur. Denn auch ohne den ist es ein massives Problem. Viele Personen die Hilfe am Berg benötigten hatten objektiv keinen und geben auch nicht an dieses subjektiv verspührt zu haben. Aber trotzdem sind sie nicht auf die Idee gekommen abzubrechen als es noch möglich war. Wobei es bei dieser Gruppe keine so eindeutigen Ursachen zu geben scheint. Von “unbewusster Leistungsdruck durch Social Media” bis hin zu “Fehlern in der Sicherheitskultur” sind die Erklärungsmodelle vielfältig.

    Am Ende ist es so oder so tragisch.



  • Nein, absolut null Chance. Dann steigen die Leute halt durch den Wald in Routen ein, oder gehen einen anderen Zustieg. Das macht es vermutlich eher schlimmer. Und es gibt tausende Routeneinstiege.

    Und wäre ich persönlich auch massiv dagegen: Berg heißt auch: Selbstverantwortung und Freiheit. Auch wenn der “Druck” am Berg zunimmt: Die absolute Mehrheit der Bergsteiger hat keine Probleme, verursacht wenig bis keinen Ärger. Man sieht halt aber die Fälle die negativ auffallen/erinnert sich mehr an die.

    DAV ist ein wenig schwierig geworden,weil einerseits die Strukturen stark der Kommerzialisierung unterzogen wurden, der Fokus mehr zum (einträglicheren) Sportklettern und Bouldern ging. Ebenso ist man durch viele Skandale (aktuell: Skibergsteigen) geprägt. Und parallel lässt halt die Bereitschaft der Leute sich umfangreich ehrenamtlich zu engagieren nach - was, was man so hört, zu einem gewissen, deutlich merklichen, Fähigkeitslevel Verlust führte. Einerseits darin,dass die Anzahl an Trainern zurück ging, andererseits,dass Trainer auch in höheren Stufen unterwegs sind bei denen sie früher durchgefallen wären/gar nicht erst zugelassen worden wären. (Gab wohl Leute die auf C Trainer Lehrgängen aufgeschlagen sind und in ihrem Leben das zweite Mal in den Alpen waren)

    Gleichzeitig übernehmen die Sportkletterer/Alpinsportler halt immer mehr die Oberhand in vielen Sektionen& dadurch verschiebt sich natürlich auch viel. Und ehrlicher Weise: Gerade Hallenkletterer und Boulderer sind oft Publikum für die oben genannten Verhaltensweisen. Denn viele die eine 6-8er Route blind in der Halle klettern und sicher im Fels bouldern sind halt im Hochalpinen Gelände trotzdem maßlos überfordert.

    Zum Einsatz möchte ich mich nicht weiter äußern, da geht’s dann zu sehr ins Detail& das muss hier nicht sein&ist auch nicht mein Fachgebiet. Ich weiß sicher, dass es eine exzellente Nachbearbeitung gab und das der Einsatz auch i. Bad Tölz im Ausbildungszentrum (btw: https://bw-zsa.org/ - das Ding ist wirklich weltweit einmalig) bei Lehrgängen thematisiert wird. Weil: Das war halt wirklich selten&das man Bilder davon hat ist noch seltener.


  • Nein/Jein. Das ist leider schon ewig so. Und die waren noch vergleichsweise gut ausgerüstet, nur “under prepared”.

    Man muss da auch ein wenig unterscheiden: Das da war einfach massive Scheisse,da hilft dir keinerlei Ausrüstung. Da gibt es nur eine Möglichkeit das zu verhindern: Du kommst gar nicht erst in die Situation.

    Das ist aber gar nicht so einfach: Bergwetter ist extrem flexibel und v.a. extrem schnell. Und leider sind die Modelle der Apps (gibt es aktuell nen Test in der SZ zu) sehr unterschiedlich genau. Ich hab schon Zellen erlebt,die aur knapp einem qkm die Hölle entfesselt haben, aber außenrum war Sonnenschein und 30°. Einen gewissen Pech Faktor hast du da immer. Gehst du aber nur an Tagen an denen 0% Risiko für schlechtes Wetter herrscht gehst du nie in die Berge…weil…nunja, irgendwas ist immer.

    Das kombiniert sich aber mit zweiten Faktor: Selbstüberschätzung. Und das ist gar nicht böse gemeint: Wenn du eine Route nicht kennst passiert das absolut jedem Mal. Es werfe der/diejenige den ersten Stein, dem es nie passiert hat,dass aus der kurzen “Joa kurze Tour, wir sind um 15:00 Uhr wieder am Auto” ein “boah, noch ne Stunde länger und es wäre langsam dämmerig geworden” wurde. Routen sehen einfach anders aus und man selber ist auch nicht immer gleich schnell. (Literally. Hab für ne Route auf die ich sonst 2h brauche auch schon 4h gebraucht weil doofer Misttag)

    Da aber zu wissen “joa fuck,ich dreh um” ist verdammt schwierig - Alpinisten leiden da genauso wie Piloten gerne an der “Getthereritis” und gerade Ziele wie die Zugspitze (wo du “oben” ja wieder mit der Bahn runter kommst) sind da prädestiniert.

    Von daher: Diese Fälle sind sehr schwer zu verhindern. Da hilft nur sehr viel Aufklärung und Ausbildungsmöglichkeiten - was leider zuletzt seit Covid massiv ein Problem ist. Es sind massiv mehr Leute unterwegs,gleichzeitig gibt es weniger Ausbildungsmöglichkeiten und viele alte Bergführer haben aufgehört, ebenso ist der DAV immer schwieriger. (Daher ist z.B. eine Bergführerpflicht unmöglich)

    Und was Ausrüstung angeht, wie gesagt: Da sind die noch “okay” gewesen. Ich bin formell zum HEMS-TC&winch Operator qualifiziert (der Typ der Notfallsanitäter ist/die Winde bedient/dem Piloten assistiert.)(bin aber nicht viel geflogen,btw.). Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich u.a. mal ne Familie aus einer Route geholt die selbst mit Klettersteigset als anspruchsvoll gilt. …in T-Shirt, Chucks und kurzer Hose. Anfang Mai.

    In Folge 2 (meine ich)der ersten Staffel sieht man ein nettes Beispiel für “schlechtes Equipment” (wobei der Typ imho nen manischen Schub hatte).

    Von daher…schwierig.

    An dem Einsatzgeschehen tue ich mich ehrlich gesagt in vielerlei Hinsicht schwer es zu bewerten - es gibt Punkte die auch im Bergrettungs-Milieu kritisiert werden (u.a. die Entscheidung die zweite Crew noch abzusetzen), aber umgekehrt ist es auch eine dermaßen scheiss Lage…das ich es auch verstehen kann. Ich hab als Einsatzleiter (nix mit Bergrettung) auch schon im Rückblick doofe Entscheidungen getroffen. Passiert.