Ich hab mal eine Weile im Ruhrgebiet gewohnt und da begegnet einem überall diese Kohlekumpel-Zechen-Glorifizierung. Eigentlich eine echte Kackidee das mit der Kohle. Da sterben tausende Kumpels an Staublunge. Es ist ein Knochenjob. Das ganze Land sackt ab und würde in den Fluten versinken, wenn man nicht ständig das Wasser abpumpen würde. Man hat riesige Mengen CO2 produziert und die ganze Gegend mit Ruß verqualmt. Und jetzt hat man dann noch riesige Abfallberge rumliegen … und feiert das fleißig.
Und was ist das in eurer Region?


Uff, da muss ich aber mal eine Lanze fürs meine alte Heimat brechen.
Natürlich ist Kohle kein Energieträger für die Zukunft und es hat sehr viel Schaden angerichtet aber es ist weniger das man die Kohle als Energieträger feiert, sondern die Geschichte des Bergbaus und der Bergleute.
Es war ein sehr gefährlicher Job bei den jeder auf den anderen angewiesen war und genau das hat die Leute zusammen geschweißt. Bspw. entstand durch diese Gefahr und Solidarität die Vorläufer der Sozialversicherungen; Knappschaften.
Auch die organisierte Arbeiterbewegung hat viel den Bergleuten zu verdanken.
1889: 90.000 Bergleute legen im Ruhrgebiet die Arbeit nieder um für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Ein Streik in bisher unbekannten Ausmaße in Deutschland. Die Arbeiterschaft steht vereinigt zusammen gegen Großkapital und Zechenbesitzer. Selbst Kaiser Wilhelm II. empfing eine Delegation der streikenden Bergarbeiter. Der Kaiser des frisch vereinigten Deutschlands empfängt die Abgesandten der Kohlekumpel. Eine unglaubliche Vorstellung damals!
Daher ist das für mich, als Abkömmling einer Bergarbeiterfamilie, nicht “Hurra Kohle!” sondern eine konstante Erinnerung an den Kampf und den Erfolg der organisierten Arbeiterschaft. 🚩
Hmm stimme dir das zu, das es eher um die Menschen als um den Energieträger geht. Und in den Industriemuseen wird das ganze auch durchaus kritisch aufgearbeitet.
Aber das gleichzeitig eine eher unkritische Romantisierung der Vergangenheit stattfindet, finde ich auch schwer bestreitbar.
Die “Kumpel”-Postkarten, die man an jedem Bahnhofskiosk kriegt, “Glück Auf” als Gruß usw … je länger der “schmutzige” Teil zurückliegt, desto mehr werden manche Dinge zum “Lokalkolorit”, bei dem die wenigsten an die großen Arbeitskämpfe denken, der sich aber gut vermarkten lässt.
So zumindest mein Eindruck, der ich die ersten drei Jahrzehnten meines Lebens dort verbracht hab …
Ich kann mich gar nicht mehr ganz dran erinnern wo das war aber in einem Museum gab es einen Bereich über Kinderarbeit im Bergbau. Das war gruselig. Kann man mich an nicht viel von dem Ausflug erinnern aber das war ein seltsames Gefühl Arbeitshosen in Kindergröße zu sehen :(