Es war irgendwann in der Zeit als die Corona-Zeit zwar noch nicht vorbei war, aber die größten Verwüstungen vorerst etwas gelindert waren. Als die ersten Leute geimpft waren, als die Ausgangssperren nicht mehr waren und es auch nicht mehr Winter war. Da erzählten dann die ersten Freunde, dass es ihnen in dieser Zeit gar überhaupt nicht so gut gegangen ist. Man hörte von den ersten Bekannten, die in Therapie oder einer Klinik gegangen sind und hat es von anderen mitbekommen, dass die es auch hart nötig gehabt hätten. Aber erstmal haben die Leute geschwiegen und es in sich rein gefressen.
Und jetzt? Jetzt habe ich das Gefühl, dass in diesem aktuellen Wahnsinn gerade die psychischen Verwüstungen auch anfangen. Ich hab es bei ein, zwei Freunden bemerkt, die nicht drüber sprechen, aber wenn man sie kennt, merkt man, dass sie gerade mächtig knabbern. Das die Sicherheit komplett zerfetzt wurde, ganze Weltbilder ins Wanken geraten, die Unsicherheit Ängste macht.
Also: Wie geht ihr mit der ganzen Geschichte rund um Krieg, Trump, Wirtschaftskrise, Grönlandgier, Techimperialismus und Faschismus um? Wie geht es euch?


Ich habe ähnliche Eindrücke, wobei viele meiner engen Freund:innen zum Selbstschutz so gut wie keine Zeitung mehr lesen, obwohl sie alle sehr politisch sind. Ich hänge am Nachrichtentropf, lese viel politische Literatur und höre Podcasts. Die Möglichkeit, die Dinge im Detail tiefer zu verstehen, nimmt mir die Angst vor ihnen. Nicht zu wissen was los wäre, wäre viel schlimmer für mich. Ich habe das Glück psychisch einigermaßen stabil zu sein. Das nutze ich, um mein Umfeld zu unterstützen, wo ichs nur kann.